MS hat 1.000 Gesichter
Aufgrund der Vielfalt der Symptome wird MS auch die Krankheit mit 1.000 Gesichtern genannt.
Symptome der MS
Die Symptome der Multiplen Sklerose können sehr unterschiedlich sein.
Das liegt daran, dass die Entzündungen an verschiedenen Stellen im Gehirn oder Rückenmark entstehen. Je nachdem, welche Bereiche betroffen sind, treten unterschiedliche Beschwerden auf.
Häufig zeigen sich zu Beginn Sehstörungen durch eine Entzündung des Sehnervs sowie Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit. Im Verlauf entwickeln viele Menschen Probleme beim Gehen, oft durch eine Schwäche oder Steifigkeit der Beine (Spastik).
Neben diesen körperlichen Symptomen können auch weniger sichtbare Beschwerden auftreten, zum Beispiel starke Müdigkeit (Fatigue) oder Schwierigkeiten mit Konzentration und Gedächtnis.
Häufige Symptome der MS
Entzündungen des Sehnvers
Der Sehnerv verbindet das Auge mit dem Gehirn.
Weil der Sehnerv ein Teil des Gehirns ist, kann er bei MS betroffen sein. Diese Entzündung ist ein typisches Zeichen der MS und man nennt sie Optikusneuritis oder Retrobulbärneuritis.
Meist ist nur ein Auge betroffen, seltener beide.
- Typische Beschwerden
– leichte bis mäßige Schmerzen, besonders beim Bewegen des Auges
– verschwommenes Sehen, wie durch ein Milchglas
– im Extremfall: vorübergehende Blindheit
– Farben und Kontraste wirken weniger intensiv
Nicht typisch für eine MS-bedingte Sehnervenentzündung sind plötzliche Sehstörungen, gerötete Augen oder starke Augenschmerzen.
Störung der Augenbewegung
Die Augenbewegungen werden im Hirnstamm gesteuert, einem Teil des Gehirns, der das Gehirn mit dem Rückenmark verbindet. Wenn der Hirnstamm durch MS betroffen ist, kann es zu Problemen mit den Augenbewegungen kommen.
Typische Beschwerden
– Doppelbilder: Gegenstände werden nebeneinander, übereinander oder schräg wahrgenommen.
– Augenmuskellähmungen: Ein Auge kann nicht mehr in alle Richtungen bewegt werden. Die beiden Augen bewegen sich nicht mehr parallel.
– Ruckartiges Augenzucken (Nystagmus): Die Augen bewegen sich unkontrolliert. Kann Schwindel verursachen.
Nicht typisch ist eine komplette Lähmung aller Augenmuskeln.
Nervenschmerzen im Gesichtsbereich (Trigeminusneuralgie)
Hierbei handelt es sich um sehr starke, blitzartige und brennende Schmerzen. Sie treten meist einseitig im Bereich von Wange, Oberkiefer, Unterkiefer oder seltener der Stirn auf. Ursache sind oft Entzündungsherde im Hirnstamm.
Typische Beschwerden
– plötzlich einschießender, brennender Gesichtsschmerz
– die Schmerzen treten meist einseitig auf
– einseitiges Taubheitsgefühl im Gesicht, ähnlich wie nach einer Betäubungsspritze beim Zahnarzt
Nicht typisch sind beidseitige Gesichtsschmerzen oder Schmerzen, die dauerhaft ohne Schmerzpausen anhalten.
Störungen der Sensibilität
Gefühlsstörungen der Haut können an Armen, Beinen oder am Rumpf auftreten. Häufig werden sie durch Entzündungen im Rückenmark verursacht.
Typische Beschwerden
– Taubheitsgefühle
– Ameisenlaufen oder Kribbeln
– Gefühlsstörungen, die vom Bein bis zum Rumpf „aufsteigen“
– gürtelförmiges Engegefühl am Brustkorb oder Bauch
– elektrisierendes Gefühl entlang der Wirbelsäule beim Beugen des Kopfes („Lhermitte-Zeichen“)
Nicht typisch sind starke, einschießende Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in Arme oder Beine („Ischias“).
Störungen der Motorik
Wenn Entzündungsherde Bereiche betreffen, die Bewegungen steuern, können Lähmungen oder Bewegungseinschränkungen entstehen.
Typische Beschwerden
– einseitige Schwäche oder Lähmung von Armen oder Beinen
– beidseitige Beinschwäche oder zunehmende Gehunsicherheit
– Schwere- oder Ungeschicklichkeitsgefühl
– Gefühl, die Beine knicken ein
– zunehmende Steifigkeit der Beine („Spastik“), Beine fühlen sich schwer wie Blei oder „eingepanzert“ an
– Gehstrecke wird kürzer, später eventuell Bedarf an Gehhilfe oder Rollstuhl
Nicht typisch sind plötzlich auftretende Lähmungen.
Koordinationsstörungen
Das Kleinhirn steuert die genaue Abstimmung von Bewegungen. Entzündungen dort können die Koordination stören.
Typische Beschwerden
– ungenaues Greifen, die Hand trifft das Ziel nicht richtig
– erhöhter Konzentrationsaufwand beim Greifen
– Unsicherheit beim Gehen
– breiteres Gangbild
Nicht typisch sind plötzlich einsetzende Koordinationsstörungen oder ein Wegkippen zur Seite beim Aufstehen.
Blasenstörungen und sexuelle Funktionsstörungen
Diese Beschwerden treten häufig erst nach mehreren Jahren Krankheitsdauer auf.
Typische Beschwerden
– überaktive Blase, Harndrang lässt sich schwer unterdrücken
– ungewollter Harnverlust, wenn das WC nicht rechtzeitig erreicht wird
– unvollständige Entleerung der Blase, Restharn bleibt
– erhöhte Gefahr für Blasenentzündungen
– Beeinträchtigung der Sexualfunktionen
Nicht typisch ist ein kompletter Harnverhalt; Stuhlinkontinenz ist selten.
Fatigue und Gedächtnisstörungen
Viele Menschen mit MS erleben Beschwerden, die schwer greifbar sind und den Alltag stark einschränken können.
Typische Beschwerden
– ausgeprägte Müdigkeit („Fatigue“)
– geringe körperliche und geistige Belastbarkeit
– Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
– Gedächtnisprobleme
– Schwierigkeiten beim „Multitasking“
– depressive Verstimmungen
Nicht typisch sind plötzliche Verwirrtheit, vollständiger Gedächtnisverlust oder Hörstörungen.
Schmerzen
Schmerzen treten zu Beginn der MS seltener auf, bei längerer Krankheitsdauer jedoch häufiger.
Typische Beschwerden
– Kopfschmerzen
– Schmerzen durch Muskelsteifigkeit (Spastik)
– kurze, blitzartige Gesichtsschmerzen (Trigeminusneuralgie)
– brennende Nervenschmerzen in verschiedenen Körperregionen
Nicht typisch sind Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in Arme oder Beine, plötzlich auftretende starke Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen sowie Brust- oder Bauchschmerzen.