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MS und Familienplanung

Multiple Sklerose betrifft Frauen etwa dreimal häufiger als Männer, besonders zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Ein Zeitraum, in dem Überlegungen zur Familienplanung angestellt werden. 

Aus medizinischer Sicht besteht bei einer MS-Diagnose für Frauen praktisch nie ein Grund, auf eine Schwangerschaft zu verzichten. 

Frauen mit MS können ihren Kinderwunsch erfüllen, auch wenn dabei häufig Sorgen bestehen. Viele fragen sich, wie sich eine Schwangerschaft auf den Krankheitsverlauf auswirkt, ob Risiken für das Kind bestehen oder ob der Partner durch die Erkrankung stärker belastet wird.  

Die Erfahrung zeigt jedoch, dass sich immer mehr Frauen mit MS – trotz anfänglicher Unsicherheiten – bewusst für Kinder entscheiden. 

Persönliches Arztgespräch

Diese Information ersetzt nicht das persönliche Arztgespräch, sondern bereitet darauf vor. Besprechen Sie das Thema Familienplanung schon frühzeitig mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, damit Sie gemeinsam planen können. 

Ist MS vererbbar?

MS ist keine Erbkrankheit. Vererbt wird nur die Veranlagung. Umweltfaktoren spielen eine wichtigere Rolle als Gene. Das Erkrankungsrisiko für Kinder von Eltern mit MS liegt bei 2–3 %97–98 % bleiben gesund.

Wie beeinflusst das Geschlecht den Verlauf von MS? 

Bei Kindern vor der Pubertät und bei Menschen ab etwa 50 Jahren ist das Risiko, an MS zu erkranken, bei Frauen und Männern ungefähr gleich hoch. 

Ab der Pubertät steigt das Risiko bei Mädchen deutlich an. Frauen erkranken meist früher und haben häufiger Schübe. Gleichzeitig ist ihr Risiko für bleibende Behinderungen geringer. Ein Grund dafür sind die Geschlechtshormone. 

Frauen und Männer gehen oft unterschiedlich mit der Diagnose MS um. Männer berichten häufiger über weniger Ängste im Zusammenhang mit der Erkrankung. Frauen passen sich dagegen oft leichter an Veränderungen an und können ihre Lebensqualität besser erhalten. 

Männer mit Kinderwunsch

MS und die meisten MS-Medikamente beeinflussen die Fruchtbarkeit nicht. Sexualfunktionsstörungen sind gut behandelbar. Bei medikamentösen Therapien gibt es meist keine Einschränkungen, ausgenommen Cladribin.

Beeinflusst die MS die Fruchtbarkeit? 

Es gibt nur wenige Studien zum Thema MS und Fruchtbarkeit. Frauen mit MS haben aber tendenziell weniger Kinder, weil sie aufgrund von Ängsten und Sorgen auf Kinder verzichten. Seit einigen Jahren entscheiden sich aber immer mehr für eine Schwangerschaft mit MS. 

Medikamente wirken meist nicht negativ auf Fruchtbarkeiteinige müssen vor der Schwangerschaft abgesetzt werden (z. B. Teriflunomid, Cladribin). 

MS und Verhütung 

Alle gängigen Methoden, einschließlich der Antibabypille, sind sicher und haben keine nachteiligen Auswirkungen auf MS-Risiko oder Krankheitsverlauf. 

Persönliche Bedürfnisse und Lebenssituation spielen eine wichtige Rolle bei der Wahl der Verhütungsmethode. 

Unerfüllter Kinderwunsch

Kinderwunschbehandlungen sind möglich. Das Schubrisiko kann leicht steigen, besonders bei erfolgloser Stimulation. Wird eine Frau nach einer Stimulation schwanger, ist das Schubrisiko gering.

Wie beeinflusst eine Schwangerschaft die MS? 

Schubaktivität beruhigt sich meist während der Schwangerschaft, besonders im letzten Drittel. 

Nach der Geburt steigt das Schubrisiko wieder, meist innerhalb des ersten Jahres. 

Faktoren für ein erhöhtes Schubrisiko während der Schwangerschaft:  

  • Hohe Krankheitsaktivität 
  • Hoher EDSS-Score (Grad der Behinderung) (verlinken) 
  • Unterbrechung von hochwirksamer Therapien (z.B. Natalizumab, Fingolimod) 

Es gibt Hinweise, dass sich eine Schwangerschaft gar nicht oder positiv auf die MS auszuwirken scheint. Frauen, die Kinder bekommen haben, blieben im Durchschnitt länger ohne Verschlechterung ihrer Behinderung. 

Behandlung von Schüben in der Schwangerschaft

Schübe können mit hochdosiertem Kortison behandelt werden, vor allem nach dem 3. Schwangerschaftsmonat. In den ersten 3 Monaten wird Kortison nur bei sehr schweren Schüben eingesetzt.

Wie verläuft eine Geburt bei MS? 

Die Entbindung ist in der Regel wie bei gesunden Frauen möglich. Eine Periduralanästhesie (PDA), Spinal- oder Vollnarkose ist unproblematisch. 

Die Art der Geburt hängt hauptsächlich von geburtshilflichen Faktoren ab. Die Geburt selbst beeinflusst das Schubgeschehen nicht. 

Kann ich nach der Geburt stillen? 

Stillen wird empfohlen, da es den Verlauf der MS positiv beeinflussen kann. Die MS-Therapie wird in der Regel nach dem Abstillen wieder aufgenommen.  

Tritt ein Schub auf, kann hochdosiertes Kortison eingesetzt werden. Danach sollte für etwa 4 Stunden eine Stillpause eingelegt werden.