EDSS
Der EDSS (Extended Disability Status Scale bzw. Erweiterte Skala zur Beurteilung der Behinderung) ist eine Skala, die zeigt, wie stark Menschen mit Multiple Sklerose (MS) beeinträchtigt sind.
Die Skala reicht von 0 bis 10 und steigt in Schritten von 0,5 Punkten:
0 bedeutet: keine Beeinträchtigung durch MS.
10 bedeutet: Tod durch MS.
Welche Bereiche werden für den EDSS untersucht?
Für den EDSS bewertet die Ärztin oder der Arzt mehrere Funktionsbereiche des Körpers:
Motorik: Kraft in Armen und Beinen sowie die Fähigkeit zu gehen.
Gefühl und Wahrnehmung: Berührungsempfinden an Armen und Beinen.
Koordination: Genauigkeit von Bewegungen und sicheres Gehen.
Hirnstammfunktionen: Schlucken, Sprechen, Bewegungen der Gesichtsmuskeln und Augen.
Sehen: Sehschärfe und andere Sehfunktionen.
Kontrolle von Blase und Darm.
Denken und Gedächtnis: allgemeine geistige Leistungsfähigkeit.
Jeder dieser Bereiche wird mit einer Zahl zwischen
0 = keine Einschränkung und 5 = maximale Einschränkung
bewertet. Aus allen Bewertungen zusammen wird anschließend der EDSS-Gesamtwert berechnet.
Bedeutung der EDSS-Werte
- 1,0 bis 3,0: leichte Beeinträchtigung.
- 3,5 bis 5,5: mittelschwere Beeinträchtigung.
- In diesem Bereich gibt es meist deutliche Probleme in mindestens einem Funktionsbereich.
- Häufig ist das Gehen bereits spürbar eingeschränkt.
- ab 6,0: schwere Beeinträchtigung.
- ab 6,0: Gehen nur noch mit Gehhilfe (z. B. Krücken).
- ab 7,0: Rollstuhlpflichtig.
- ab 8,0: weitgehend bettlägerig
Stärken und Schwächen des EDSS
Der EDSS wird seit vielen Jahrzehnten sowohl im medizinischen Alltag als auch in Studien zur Wirksamkeit von MS-Medikamenten eingesetzt.
Er ist jedoch nicht perfekt, denn:
- Die Skala ist nicht linear.
Das bedeutet: Ein zusätzlicher EDSS-Punkt zeigt nicht immer eine gleich starke Verschlechterung an. Je nach Ausgangswert kann ein Punkt mehr unterschiedlich viel bedeuten. - Die Bewertung kombiniert verschiedene Messmethoden:
- In den niedrigen EDSS-Bereichen zählen vor allem Unterschiede, die bei der neurologischen Untersuchung festgestellt werden.
- In den höheren Bereichen spielt die selbst empfundene Behinderung der Patientin oder des Patienten eine größere Rolle.
Trotzdem bleibt der EDSS bis heute die international gebräuchlichste Methode zur Bewertung der MS-bedingten Beeinträchtigung und wird auch in aktuellen klinischen Studien verwendet.